Pressemeldung vom 2.9.25
Die Arbeitsloseninitiative Aurich e.V. reagiert auf die wachsende Zahl an Ratsuchenden: Ab dem 15. September 2025 erweitern wir unsere Öffnungszeiten deutlich. Doch neben dieser positiven Nachricht gibt es leider auch einen ernsten Anlass, uns an die Öffentlichkeit zu wenden: Immer häufiger erleben wir, dass Menschen in unseren Räumen andere beleidigen, ausschließen oder bedrohen.
Mehr Zeit für mehr Menschen
Die Zahl der Menschen, die unsere Beratung aufsuchen, steigt seit Jahren. Viele kommen mit Sorgen, die sie allein nicht mehr tragen können: Fragen zu Sozialleistungen, Angst vor Existenzverlust, Verzweiflung über Perspektivlosigkeit.
Ab dem 15. September 2025 gelten daher Beratungszeiten:
Dienstags und donnerstags von 9:00 bis 17:00 Uhr (bisher 9:00 bis 12:00 Uhr).
Wir erleben jeden Tag, dass Menschen schon mit hängenden Schultern zu uns kommen, weil sie das Gefühl haben, zu scheitern. Wir möchten ihnen Zeit geben, Luft zu holen – und das Gefühl zurückgeben, dass sie nicht allein sind. Längere Öffnungszeiten sind für uns ein notwendiger Schritt, um diese Arbeit weiterhin verlässlich leisten zu können.
Hinweis: An den Zeiten für unseren Treffpunkt ändert sich vorerst nichts – auch hier ist aber bereits eine Erweiterung in Planung. Ebenso bleiben die Sprechzeiten unseres Anwalts unverändert.
Diskriminierung nimmt zu – wir ziehen die Notbremse
Doch so wichtig unsere Hilfe ist – sie gerät zunehmend unter Druck. Denn seit zwei Jahren häufen sich Vorfälle, die uns erschüttern: Menschen, die bei uns Hilfe suchen, nutzen die Gelegenheit, um andere Ratsuchende zu beleidigen. Sie greifen Menschen an, weil diese einen Migrationshintergrund haben, weil sie queer sind oder einfach nicht in ihr Weltbild passen.
Noch vor wenigen Jahren waren solche Vorfälle selten. Von 2006 bis 2023 zählten wir gerade einmal drei. Doch 2023 waren es schon vier, und seit 2024 erleben wir fast monatlich ein- bis zwei solcher Eskalationen.
Da sitzen Menschen nebeneinander im Wartebereich – alle mit Sorgen, alle in Not. Und statt Mitgefühl erleben wir plötzlich blanken Hass. Worte wie ‚Du gehörst nicht hierher‘ oder ‚Wegen euch gibt’s für uns nichts mehr‘ sind leider keine Ausnahme mehr. Manche beleidigen gezielt, um schneller dranzukommen. Andere nutzen die Gelegenheit, um ihr rechtes Gedankengut loszuwerden. Das verletzt nicht nur die Betroffenen, es vergiftet die ganze Atmosphäre.
Gesellschaftliches Klima wirkt bis in unsere Beratungsräume
Wir sehen die Gründe für diese Entwicklung nicht nur in individuellen Haltungen, sondern auch im politischen Klima:
„Die Hetze der AfD trägt massiv dazu bei, dass Ausgrenzung und Feindbilder in der Mitte der Gesellschaft salonfähig werden. Und wenn Teile der Union mit populistischen Parolen nachziehen, anstatt Lösungen zu suchen, dann hat das Folgen – bis hinein in unseren Beratungsalltag. Menschen, die selbst in Not sind, werden gegeneinander ausgespielt. Anstatt Solidarität wächst Misstrauen. Das dürfen wir nicht hinnehmen.“
Klare Haltung: Schutzräume für alle
Die Arbeitsloseninitiative Aurich e.V. zieht daher eine klare Grenze:
- Wer andere in unseren Räumen beleidigt, diskriminiert oder bedroht, wird sofort des Hauses verwiesen.
- In schweren Fällen wird zusätzlich Anzeige erstattet.
„Wir sagen deutlich: Unsere Türen stehen für alle offen – unabhängig von Herkunft, Religion, sexueller Orientierung oder Identität. Aber wer unsere Anlaufstelle missbraucht, um andere kleinzumachen oder rechte Parolen zu verbreiten, hat hier nichts zu suchen. Unsere Räume sind Schutzräume. Und wir werden alles tun, damit sie es bleiben.“
Solidarität statt Spaltung
Seit zwei Jahrzehnten begleiten wir Menschen durch die schwierigen Zeiten von Arbeitslosigkeit und Armut. Wir wissen: Niemand sucht sich diese Situation freiwillig aus. Wer zu uns kommt, trägt oft genug Scham und Angst mit sich.
„Gerade deshalb tut es so weh, wenn Menschen in dieser Lage andere in derselben Lage nur weil sie einer anderen Gruppe angehören herabwürdigen. Wir wollen, dass bei uns das Gegenteil geschieht: Dass man spürt, man ist nicht allein. Dass man einander auf Augenhöhe begegnet. Dass Solidarität stärker ist als Spaltung. Das ist unser Auftrag – und an diesem Auftrag halten wir fest.“
Aufruf zur Unterstützung
Damit wir diese Arbeit fortführen und verstärken können, brauchen wir Unterstützung.
- Spenden helfen uns, unsere Beratungsangebote aufrechtzuerhalten und neue Projekte zu entwickeln.
- Ehrenamtliche Mitarbeit stärkt unser Team und ermöglicht es uns, noch mehr Menschen beizustehen.
„Wir schaffen das nicht allein. Jeder Euro und jede helfende Hand machen einen Unterschied. Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, setzt ein klares Zeichen gegen Armut, Ausgrenzung und rechte Hetze – und für Solidarität und Menschlichkeit.“
